Pressebericht :


Fachzeitschrift für orientalische Tänze & Künste
(Ausgabe Nr.4 2008)

Direkt am Anfang ein offenes Wort: dieser Artikel spiegelt meine subjektive Empfindung wider. Ich bin mittlerweile der Auffassung eine "objektive Berichterstattung" im orientalischen Tanz (oder wo auch immer) gibt es nicht. Des wegen versuche ich erst gar nicht. Daher ist das was folgt, nicht objektiv oder neutral, sondern meine Persönliche Meinung, geprägt durch meine ganz eigene "orientalische Bauchtanzbrille" gesehen.

Die Schiffstour startet in Wetter an der Ruhr. Um 19:30 Uhr war es soweit; die Gäste kamen an Bord, suchten sich einen Sitzplatz und warteten auf das, weshalb wir schließlich hier waren: eine orientalische Show. Die Tische reichten jeweils für 6-8 Personen und schnell füllte sich das Deck. Alle Plätze waren belegt und die MS "Friedrich Harkort" legte ab. Wir tuckerten über den See; Idylle pur: Enten, Schwäne, Villen, ein Kirchlein am Ufer ... Ich lies die Seele baumeln und genoß die Aussicht (es war ja noch hell).
Bevor es tänzerisch los ging wurden köstliche Kleinigkeiten gereicht (die im Preis inbegriffen und, wie wir später erfuhren, auch alle selbst gemacht waren). Hierzu nur ein Wort: Lecker!
So freute sich erst mal mein Gaumen. Satt, zufrieden, entspannt, mit einem, leider eiskalten, Glas Rotwein war ich voller Vorfreude auf die Show.

Lydia Fassy begrüßte kurze Zeit später die Anwesenden und gab die Moderation an Anne Behrenbeck weiter, die uns durch den Abend führte. Sie erzählte jeweils etwas zu den Tänzerinnen und deren Tanz
An diesem Abend tanzten für uns:

Amira Gihan - Hagen
Eischana - Hagen
Lydia Fassy - Hagen
Noura Djabal - Nettetal
Sahela - Wesel
Salma Parvaneh - Wuppertal

Kurz nach 20:00 Uhr begann die Show mit Noura Djabal. Durch die Moderatorin erfuhren wir, daß Noura schon lange tanze, ein eigenes Studio in Nettetal habe, Shows und Workshops organisiere. Tänzerisch sei Bauchgefühl und Improvisation für sie sehr wichtig.
Noura Djabal tanzte ein klassisch ägyptisches Stück. Sie interpretierte das Stück mit viel Gefühl und Ausstrahlung. Genau die Punkte, die für sie im orientalischen Tanz wichtig sind, setzte sie um. Für mich hätte es ein bißchen mehr Technik sein können, so verpackt, daß es nicht auffällt. Es war ein gelungener Tanz, nur einmal verlor Noura Djabal leicht "den Boden unter den Füßen", was absolut nicht an ihr lag. Aber genau in diesem Augenblick machte das Schiff eine Drehung oder Wendung und es wurde etwas wackelig . Noura Djabal ließ sich nicht aus dem Rhythmus bringen und "übertanzte" diese kleine Irritation mit einem offenen Lächeln. Auf jeden Fall eine Tänzerin mit viel Auftrittserfahrung, Herz und Gefühl.

Als nächste Tänzerin stand Salma Parvaneh auf dem Programm. Auch sie interpretiert ein klassisches Stück. Ihr rotes mit Strass besetztes zweiteiliges Kostüm passte zur Musik oder die Musik passte zum Kostüm. Egal wie herum es passte einfach: die ganz klassische Linie!
Salma tanzte souverän, ruhig, mit kleinen technischen Spitzfindigkeiten, die auf den ersten Blick nicht direkt zu erkennen waren. Sie schäkerte gekonnt mit dem Publikum, das ja wirklich "hautnah" an den Tänzerinnen war. Bei Salma wirkte nichts hektisch, sie läßt sich und den Zuschauern Zeit, die Bewegungen zu genießen. Mir gefällt ihre klassische Art zu tanzen sehr gut.

Ganz kurz zu "hautnah an den Tänzerinnen". Stellen Sie sich ein nettes kleines Ausflugboot vor. Ein Deck mit Tischen auf beiden Seiten, das zweite Deck oben, teilweise offen. Und genau auf dem ersten Deck fand die Show statt. Der gang zwischen den Tischreihen war ziemlich eng. Für uns das Publikum hatte es den tollen Effekt, den Tänzerinnen wirklich sehr nahe zu sein. Ich will es mal so ausdrücken: jede Perle und Paillette, jedes Bauchfältchen(falls vorhanden)war zum Greifen und Bestaunen nahe. Ich fand es toll!

Als dritte Tänzerin präsentierte die Organisatorin, Lydia Fassy, das moderne orientalische Popstück "Didi" ein absoluter "Mitklatscher". Lydia Fassy interpretierte das Stück mit viel Spaß. Ich hätte es noch schöner gefunden, wenn sie etwas mehr aus sich herausgegangen wäre, den Spaß den sie hatte, in Bewegung umgesetzt hätte. Die Musik war so mitreißend und forderte, meinem Empfinden nach, geradezu fetzige und kraftvolle Bewegungen (mal ein Kraftvoller Kick hier und da). Aber das ist das Schöne am orientalischen Tanz: Jede kann und sollte die Musik tänzerisch so umsetzen, wie sie es fühlt und vermag.

Anne Behrenbeck erzählte uns, Amira Gihan, die nächst Tänzerin, könne Kairo schon als ihren 2.Wohnsitz ansehen. Sie sei sehr oft in Ägypten du eine ägyptische Familie habe sie als Adoptivtochter ins Herz geschlossen. Ihr Künstlername Amira Gihan bedeutet "Prinzessin der Welt".

Da war ich gespannt: viel in Kairo und dort einen sehr persönlichen Kontakt . Amira Gihan hatte für diesen Abend ein arabisches Popstück ausgesucht. Sie tanzte mit offensichtlicher Freude und unterstrich den Text ausdrucksstark mit Mimik und Gestik. Ich bin dem Arabischen nicht mächtig und kann daher nicht beurteilen, was gesungen wurde, aber ich bin sicher, Amira Gihan kannte den Liedtext und interpretierte ihn durch ihren Tanz. Ein paar "Klassiker" an Bewegung hätten dem Tanz, meines Erachtens nach, etwas mehr Tiefe verliehen. Aber auch hier gilt- auch wenn mich wieder hole -: jede kann sollte Musik so umsetzen wie sie es fühlt und vermag.

Es folgte Eischana mit einer Salsa-Oriental und anschließendem Trommelsolo. Hier muss ich das kostüm beschreiben, weil es so zum Tanz passte. Ein orangefarbener Zweiteiler, giftgrün bestickt. Vorne und hinter lang, wie ein enger Rock. Aber an der Seite der Schnitt, der eines Super-Mini-Rockes. Das, ich sage es mal salopp, "Teil" war einfach stimmig - für Eischana und das Musikstück. Es war toll, sie darin tanzen zu sehen. Der Mix Zwischen Salsa und orientalischen Tanz gefiel mir sehr gut, auch weil Eischana die Parts klar unterteilte, Bewundernswert, für mich als "fußfaule Bauchtänzerin", die Fußarbeit bei der Salsa. Ein bisschen mehr Weichheit bei den orientalischen Abschnitten, und mir hätte der Tanz noch besser gefallen.
Das folgende Trommelsolo war präzise getanzt, in einem zu ihr passenden Stil. Eischana vermittelte Spaß am tanzen. Dieses authentische Gefühl ist bei mir und ich denke beim Publikum angekommen.

Bei der Moderation hieß es jetzt, es gebe keinen Text für die nächste Tänzerin Sahela. Trotzdem ein paar Details: sie tanzt schon sehr lange, hat das Studio "Bodywave" in Wesel, ist von Beruf Tänzerin und Dozentin. Ihr Wunsch an uns: Wir, das Publikum, sollten nur Spaß haben. Und den hatte ich mit Sahela! Es ist ein Genuss ihr beim tanzen zuzuschauen. Ein Klassiker, Tamerhenna mit Zimbeln, die Tänzerin hautnah. Was wollte mein Bauchtanz-Herz mehr? Sahela ist tänzerisch und technisch "top", sie hatte das Publikum "im Griff".
Eine tolle Tänzerin und ich freute mich schon auf ihre anderen Tänze an diesem Abend.

Dann war Pause.
Wir konnten plaudern, fachsimpeln, uns und unseren klatschgeschädigten Hände kühlen, etwas zu trinken besorgen. Einige waren so infiziert, das auch getanzt wurde. Nach ca. einer Stunde ging es weiter.

Der zweite Block startete mit Sahela.
Sie zeigte uns einen Balady mit Melaya. Ja, ja, das Kokettieren hat sie wirklich gut drauf! Mal ein bisschen was zeigen, sich dann wieder verstecken. Ein Balady mit vielen "hinguckern". Hier ein Mini-Schimmy, da ein koketter Blick oder Augenzwinkern zu den Zuschauern. Ich genoss es!

Nun folgte Eischana, die schon seit ihrer Jugend die unterschiedlichsten Tanzstile ausprobierte, mit einem armenischen Zigeunertanz. Der Rock flog, Eischana wirbelte temperamentvoll und flott durch den Gang, rauf und runter. Ein Tanz, der gut zu ihr passte.

Noura Djabal tanzt anschließend ein, im Stil der Kairoer Nachtclubs, sehr klassisches Stück. Eine ganz tolle Musik, aber ich hatte den Eindruck, die Zuschauer waren mit der Musik und dem Rhythmuswechsel und der Länge des Stückes schlichtweg überfordert.
Im Trommelsolo am Schluss zeigte Noura Djabal eine eigenwillige Umsetzung. Sie ist ihrem Stil und Prinzipien, viel Improvisation und Bauchgefühl, auch in diesem Tanz treu geblieben.

Der spanisch-arabische Titel "lolai Habibi ya eini" folgte. Amira Gihan führte uns einen temperamentvollen Tanz vor. Ich hätte mir eine klarer getanzte Differenzierung der spanisch oder arabisch gesungenen Abschnitte des Stückes gewünscht.

Lydia Fassy folgte mit einem klassisch ägyptischen Musikstück. Ihr Tanz war stimmig zur Musik, geprägt von klassischen Bewegungen. Ohne jeglichen "Schnickschnack". Schnörkellos und solide.

Der ägyptische Poptitel "Fakirni" war Salma Parvanehs zweites Stück. Der Tanz war geprägt durch klassische Bauchtanz- und Balady-Elemente, die sie, meiner Ansicht nach, gekonnt zusammen fügte. Sie tanzte für die Zuschauer, blieb oft vor den einzelnen Tischen stehen. Somit hatte jeder Gelegenheit ihre Bewegungen genau zu verfolgen.

Den letzten Tanz präsentierte Sahela; diesmal ein klassisches Sharqi-Stück plus Trommelsolo Der Sharqi war kurzweilig voller Überraschungen, mit interessanten Pausen und Posen gespickt. Sahela war, ich kann es nicht anders ausdrücken, präsent. Es war ein orientalischer Tanz-Augenschmaus!
Das Trommelsolo tanzte sie abwechslungsreich, mit anspruchsvoller Technik, die nicht nach Technik aussah. Ich muss gestehen, Sahela zog mich und andere in ihren Bann. Für mich war sie das Highlight des Abends.

Zum Finale wurden alle, Tanzerinnen und fleisigen Helfer mit Hintergrund aufgerufen und eifrig beklatscht, bis uns die Hände weh taten. Als Dankeschön überreichte die Gastgeberin, Lydia Fassy, jedem Mitwirkenden eine Kleinigkeit.

Damit waren wir am Ende des Oriental-Ship-Trip auf dem Harkortsee.

Am Anleger bereiteten uns Amira Gihan und Eischana noch eine Überraschung. Sie Tanzten eine Komposition aus Ises-Wings (in weiß oder silber ) und Feuer. Mittlerweile war es dunkel; damit kam die Darbietung gut zur Geltung - die hellen Isis-Wings und das Feuer. Beeindruckend! Ein feurig fulminanter Abschluss eines wirklich gelungenen Abends!

Ich komme gerne wieder.

Die Idee, eine Bootstour mit Orientalischem Tanz zu verknüpfen, ist auf jeden Fall gut gelungen.

Es war ein ausserordentliches Event und wird hoffentlich wiederholt. Ich empfand den kleinen Rahmen, das "handverlesene" Publikum als fabelhaftes Umfeld. An dieser Stelle "Chapeau" für die Organisatorin Lydia Fassy und alle fleißigen "Helferlein".

Elke Beierling